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9/29/2009

Uruguay Kultur

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SOMMERZEIT !!!








In der Nacht von Samstag, den 3. Oktober auf Sonntag , den 4. Oktober 2009 werden um 2.00 h morgens in Uruguay die Uhren von der Winterzeit auf die Sommerzeit um 1 Stunde vorgestellt.


Für die Kids und Youngster tragisch, da ihnen eine Stunde Discotime gemopst wird. Für andere bedeutet dies, dass der Zeitunterschied zu Deutschland nur noch 4 Stunden beträgt und für die restlichen Betroffenen, dass vorübergehend morgens der Weg zur Kaffeemaschine erst einmal wieder ertastet werden muss, dafür der Sundowner eine Stunde später kredenzt wird.





Freitag, 18. September 2009



Beeinflusst eine andere Kultur das eigene Leben?















Ja! Anfänglich bin ich häufig an der perfektionierten südkontinentalen Mentalität verzweifelt und konnte einige Gebräuche und Handlungsweisen nur schwer nachvollziehen. Inzwischen gehört der „typisch“ Alltag wie selbstverständlich zu meinem Leben. Ich habe mir aus beiden Kulturen das Beste zum Wohl einer gesteigerten Lebensqualität heraus gepickt. Dafür fällt es mir zunehmend schwerer, einen Konsens zur deutschen Mentalität zu finden. ;)



Ich erinnere mich noch genau, als ich das erste Mal auf uruguayischem Boden einen Rindfleischeintopf kochen wollte und dazu neben dem Fleisch und Gemüse einige andere Zutaten benötigte. Mein Tunnelblick hat mich ausschließlich auf die Suche nach gekörnter Brühe geführt und ich war höchst irritiert, eben diese Gläser mit losem Pulver nicht finden zu können. Die Idee, zu altbewährten Brühwürfeln zu greifen, hat sich durch jahrelange Einkaufprogrammierung nicht .




Was taten mir die an fast jeder Straßenkreuzung in abgerissener Bekleidung stehenden Kinder leid, die mittels ein paar trainierter Handbewegungen mit zwei oder drei alten Tennisbällen versuchen, täglich ein paar Pesos zu erschnorren. Nun ja – heute bewerte ich diese netten Versuche auch anders.




Vor ein paar Wochen rief mich Frau Gomez an, um mir mitzuteilen, dass die von mir in Auftrag gegebenen Artikel fertig gestellt sind und ich sie abholen könne. Selbstverständlich wurde ich, nach der - trotz Schweinegrippe - obligaten Küsschenbegrüßung, ins Haus gebeten.




Frau Gomez lebt mit ihren drei Kindern und ihrem Mann in einem kleinen Häuschen in Norte. Ihr Mann ist für ein staatliches Unternehmen tätig und sie bemüht sich, durch kleine Auftragsarbeiten ein wenig zum Familieneinkommen beizutragen.




So war es nicht verwunderlich, dass ich beim Schritt durch die Haustür gleich in der Küche, die aus einer zwei Meter kurzen Zeile, einem Herd und einem Kühlschrank besteht, stand. Über dem Spülbecken ist ein winziges Fenster und bei der Findung passender und abwaschbarer Gardinen war die Hausfrau höchst kreativ. Sie hat in der Tat rechts und links des Fensters eine aufgeschnittene Aldi-Tüte gehängt. Schön blau-weiß, praktisch und passgenau. Vorderseite links, Rückseite rechts.




Meinen leicht verstörten Blick hat sie – dem Himmel sei Dank! – falsch gedeutet und mir erzählt, dass sie die Tüte geschenkt bekommen hat, sie die Farben für die Küche richtig schön findet und ganz glücklich ist, dass sie nun hübsche Vorhänge hat, von denen sie mit einem Wisch die Hinterlassenschaften zahlreicher Sommerfliegen beseitigen kann. Ich habe ihr spontan versprochen, meinen Fundus zu durchforsten und konnte zwei, drei unverbrauchte und unzerknitterte Tüten-Vorhänge ein paar Tage später zum Wechseln beisteuern. Frauen dekorieren ja gern von Zeit zu Zeit um.




Zum Dank durfte ich nicht sofort wieder gehen, sondern musste erst noch von einer leckeren Tarta kosten, Brause trinken und die Rückkehr des Hausherrn abwarten.



Ich hatte mir in Deutschland immer eine Palme im Garten gewünscht. Ein überflüssiges Unterfangen, wenn das arme Ding mindestens 7 Monate im Jahr in einer ummauerten und frostfreien Unterkunft verbringen muss. Jetzt habe ich eine Palme und damit der recht hohe Stamm nicht so einsam steht, bekam sein Fuß einen Schuh aus gepflanzten Stiefmütterchen.




Diese Woche hatte ich endlich einmal Zeit, die Versicherung für mein Auto entsprechend der neuen Gesetzgebung abändern zu lassen. Außerdem fehlte immer noch eine Plakette. Damit alles seine Ordnung hat, kam der Mitarbeiter nach Erledigung der Formalitäten mit vor die Tür und begutachtete in freundlicher Manie die wesentlichen Bestandteile des Fahrzeuges.




Nun fahre ich nicht gerade ein taufrisches, nicht einmal ein „fast neuwertiges“ Fahrzeug. Das heißt, das Türschloss auf der Fahrerseite fehlt wohl schon mehr als zehn Jahre. Versicherungstechnisch nicht ok, aber hier kein Problem. Die Änderung des Vertrages ist „aktenkundig“ und bei Gelegenheit, wenn ein neues Schloss eingebaut ist, soll ich noch mal zur Präsentation vorbei kommen. Der volle Versicherungsschutz besteht trotzdem. Da stellt man sich nicht so an.




Apropos Zeit: der Mensch ist tatsächlich ein echtes Gewohnheitstier. Morgens werden die Dinge erledigt, die auf der gedanklichen Abhakliste stehen, danach werden die Kochtöpfe bemüht und anschließend folgt eine entspannende Siesta mit Nickerchen. In Uruguay ist die Mittagszeit kein vom Aussterben bedrohtes Wort, sondern wird gelebt.




Der Automechaniker schließt seine Werkstatt um ein Uhr und macht eineinhalb bis zwei Stunden Pause, im kleinen Supermercado an der Ecke bekommt man auch erst ab 14.30h wieder fehlende Lebensmittel und in der Ferretería dampft maximal das heiße Wasser für den nächsten Mate.




Daran habe ich mich gaaaaanz schnell gewöhnt und diese Sitte kommt meinem Rhythmus sehr entgegen.




Sonntagabend und es fehlt Butter für das Abendessen? Kein Problem – die Lebensmittelgeschäfte haben bis 22.00 Uhr, in den Sommermonaten sogar länger, geöffnet. Niemand muss also seinen Kaffee ohne Milch trinken oder Spontangelüste bis zum nächsten Werktag unterdrücken.




Im Treppenhaus habe ich eine Schimmelstelle entdeckt. Unschön und ungesund. Es ist auch nicht nur oberflächlich, sondern rührt von Feuchtigkeit, die unter dem Putz ist. Die vermutete Eintrittstelle habe ich gefunden. Der tiefgründige Schimmel mit all seinen Sporen und Auswüchsen muss dennoch entfernt werden. Google sagt: alles lose Zeugs entfernen und gegebenenfalls sogar mit einer Drahtbürste bearbeiten. Anschließend mit reinem Alkohol großzügig abwaschen, trocknen lassen, bei Bedarf neu verputzen und streichen.




Also habe ich mich heute zum Alkoholkauf aufgemacht. Uhhiii – spontan entbrannte eine halbstündige Diskussion, ob 100%iger Alkohol besser ist oder doch lieber zu 100%igem Chlor gegriffen werden soll.




Ich meine mich zu erinnern, dass reiner Alkohol in Deutschland nur und ausschließlich in Apotheken zu erwerben ist und dann auch nur eine 60 oder 70%ige Lösung. Chlor in allen Formen ist inzwischen wohl ebenso vom Markt verschwunden, wie schnell wirksame Unkrautvernichterkeulen.



Morgen soll es regnen. Der richtige Tag also, um gleich morgens die volle Geruchsladung Alkohol zu inhalieren und den Rest des Tages entspannt auf dem Sofa zu verbringen. Sicherheitshalber habe ich schon vorgekocht. ;)





© VINTAGE



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8/31/2009

Uruguay - Straßen

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Straßen in Uruguay















Bekanntlich haben Straßen die Aufgabe, den Nutzer an sein Ziel zu bringen. Die meisten erfüllen ihre Bestimmung. Mal sind die Wege kurz und schmal, mal kilometerlang und breit. Auch die Beläge und sogar die Eigner unterscheiden sich. Jede Zufahrt führt irgendwo hin.



Die Straßen Uruguays sind jedoch, bis auf wenige Ausnahmen, eine massive Herausforderung für jeden Nutzer. Lassen die wenigen Asphaltstraßen, die quer durch das Land führen, ein recht gutes Fahren zu, präsentieren sich die meisten Seitenstraßen und fast alle Stadt- und Ortsstraßen selbst geübten und routinierten Autofahrern als Herausforderung.



Ob nun die Avenida Italia, eine der wichtigsten Einfahrtstraßen vom Osten via Zentrum Montevideo, oder die Durchfahrtstraße irgendeines Ortes: der Belag hat oft große und tiefe Löcher. Aber auch der undurchlöcherte Belag ist selten plan und die Stoßdämpfer und Radaufhängungen ächzen und stöhnen per Dauerton.



Die Sandstraßen sind keinesfalls besser. Sie sind nicht nur den Nutzungsbelastungen ausgeliefert, sondern werden zusätzlich durch den Regen ausgewaschen. Vor wenigen Monaten wurden zwar die meisten „Nebenstrecken“ abgezogen und teilweise mit einer frischen Schicht Sand-Kies-Gemisch aufgefüllt, aber da auch bei dieser Tätigkeit mindestens drei Arbeiter für einen Quadratmeter zuständig waren, wurde das abschließende Walzen und Planieren schlicht vergessen. Entsprechend sahen diese Straßen nach wenigen Wochen und ein bis zwei kräftigen Regengüssen schlimmer als vorher aus.


Trotz relativ günstiger Ersatzteilpreise bringt der schnelle Verschleiß so manch einen BMI-starken Uruguayer oder Zugewanderten öfter als gewohnt in kleine finanzielle Engpässe.


Sowohl Autofahrern, als auch Motorradnutzern und Bikestramplern bleibt also nichts anderes übrig, als sich im Slalom zu üben und diese Fertigkeiten vorausschauend zu perfektionieren.


Level 1: vorsichtiges Abfahren einer Straße nach vorheriger Begehung.

Level 2: Sonntagsverkehr.

Level 3: Straßennutzung in der Dunkelheit.

Level 4: üben bei Gegenverkehr.

Level 5: umfahren der Schlaglöcher während des Berufsverkehrs.

Level 6: Adrinalinausstöße während des Berufsverkehrs bei Dunkelheit.



Profi-Level 7 bleibt den Mutigen vorbehalten, die während eines nächtlichen und illegalen Straßenrennens auf öffentlichen Fahrwegen dennoch ihr Transportmittel frei von jeglichen Schäden zum Ziel chauffieren wollen.








Es wird schon einen Grund haben, warum Radrennsportler ihre Fahrkilometer gern auf die Mautstrecke verlegen. Natürlich während des fließenden Verkehrs.




Ganz extreme Straßenschäden werden hin und wieder gesichert. Wenn sich allerdings so eine Belagsmalesche direkt hinter einer Kurve auftut, dann hilft nur noch eine Vollbremsung. Ausweichen funktioniert im fließenden Verkehr selten. Abheben und darüber fliegen à la Karlsson aber auch nicht.




Zum Trost sei gesagt, dass es nicht nur die motorisierten Verkehrsteilnehmer trifft. Auch weibliche Fußgänger haben es schwer. Die meisten Uruguayer tragen zwar Sportschuh, Flip-Flops oder unmoderne, dafür trittfeste Halbschuhe. Wer aber passend zum Chic höhere Absätze tragen möchte, muss sich darauf mindestens so gut halten können wie auf Stelzen.




Die Schlaglöcher und Straßenschäden lassen sich ja noch umgehen, aber großflächig gerissener Asphalt, marodes oder großfugig verlegtes Kopfsteinpflaster sowie loses Sand-Kies-Gemisch fordern Tribute von Schuhwerk und Trägerinnen. Die optische Korrektheit wird schnell zum Spitzenlauf.




Stolperfallen auf öffentlichen Straßen können aber auch menschlicher Natur sein. In und rund um Montevideo gibt es zwar Ampelanlagen, aber sie werden meist nur bei dunkelgelb genutzt. Für Fußgänger, Fahrradfahrer und Kleinkrads existieren sie nur zur Dekoration und auch etliche Autofahrer und Motorradbesitzer fühlen sich hochgradig in ihrer Freiheit beschränkt, wenn sie ihre Fahrt unterbrechen sollen.



Apropos Fußgänger und langsame Verkehrsteilnehmer: diese kreuzen ungehindert ohne Wartemoment, dafür oft im Schneckentempo, die Schnell- und Hauptverkehrsstraßen. Da heißt es dann entweder zackiges Ausweichmanöver oder eine sehr gut funktionierende Bremsanlage mit ausreichender Bremsflüssigkeit ohne sonnenbrüchigen Zuflussschlauch.



Für die Herren der Schöpfung sei noch erwähnt, dass Sie sich schon arg bemühen müssen, eine kurzweilige und vor allem erkennbare Vergnügung am Straßenrand zu sichten. Die vormals bekannten Meilen haben sich aufgrund zahlreicher Proteste verlagert und auch der Soforterkennungsfaktor ist fast normaler Bekleidung gewichen.





© VINTAGE



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8/20/2009

Auch mein Garten soll schöner werden! Teil 2

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Auch mein Garten soll schöner werden!

Teil 2






From: uruguaylife@yahoo.com
To: cl.just@xxxxx.de
Sat, 20 Dec 2008 16:28:15 +0200 (CEST)



Liebe Claudia!

Das Dilemma, in dem du mit der Verschönerung deines Gartens steckst, ist fatal, aber für Gartenfreunde üblich. Es wird dich kaum trösten, wenn ich dir verrate, dass ich in den deutschen Gartenjahren ebenso diesen Verführern selten widerstehen konnte und Sommer- sowie Herbstzeiten erleben musste, in denen nach einigen Jahren in den jeweiligen Freiluftsalons mehrfach Zwangsausdünnung erforderlich wurden. 

Von Bildern kennst du ja das derzeitig baumlose Brachland rund um mein jetziges Wohnhaus, welches sich großspurig als Garten bezeichnet. Du kannst dir sicher vorstellen, wie schmerzlich ich inzwischen die zahlreichen und mit Pflege- und Pflanzhinweisen versehenen Gartenkataloge vermisse.

Natürlich gibt es einschlägige und standortbezogene Periodika, die das Herz eines Gartenliebhabers mit Abbildungen apfelgrüner Rasenflächen, üppig blühenden und grünen Stauden, dichter Hecken und Schatten spendendem Gehölz höher schlagen lassen. Mir bleibt es aber ein Rätsel, wo diese Aufnahmen entstanden sind.

Sand, nichts als Sand präsentiert sich als Untergrund. Darauf liegt eine knochentrockene und maximal 6 cm hohe Schicht Mutterboden. Ja, wie soll denn darauf etwas wachsen und gedeihen? Entsprechend war auch der erste Versuch einer Rasensaat eine strapaziöse Fehlaktion. Das bisschen Mutterboden mit den zarten Rasensamen ist trotz ausreichender Bewässerung durch Wind und Sonne schollenartig auseinander gebrochen und übrig blieben dürftige Krautbüschel und strohig trockene Wildkrautplacken.

Aber ich lasse mich durch derartige Nebensächlichkeiten nicht entmutigen, sondern habe schon einen gut durchdachten Plan, wie ich trotz hyperaktiver Hunde und programmierter Sommerdürre dennoch zu einer immergrünen Ganzjahrespracht gelange.

Dieses setzt natürlich – wie auch bei dir – einen erneuten Kräfte zehrenden körperlichen Einsatz voraus. Musst du dich beeilen, die anstehenden Arbeiten noch vor dem Frost zu erledigen, muss ich mich spurten, die vielen, vielen Quadratmeter vor der heißen Sommerzeit von Hand zu pflügen und zu ebenen.

Die Vollendung wird aber nicht der Moment sein, ab dem ich ein entspanntes Dasein auf der ergonomisch geformten und dick bepolsterten Relaxbestuhlung genießen darf. Selbst auf einem Bolzplatz oder an den Außenrändern der zahlreichen Parkplätze wächst mehr Grün, als auf meinem Grundstück. Mein Auto wird noch das eine oder andere Mal als Lastenkarren für die bisher ungezählten, aber benötigten Ziergewächse herhalten müssen.

Gräser, Bambus und Palmen wachsen auch auf Sandboden gut. Auf Dünengras möchte ich allerdings verzichten. Es sieht doch schäbig aus, wenn ich dauerhaft mit Verbandsmaterial an den Händen umher laufe, nur weil zwischendurch auch Unwichtiges gejätet werden muss, aber dieses Gras sogar jede Tomate sauber und sekundenschnell halbiert, oder?

Und dann erst die vielen Säcke feinster Blumenerde, natürlich angereichert mit biologischem Dung, die entsprechend des Bedarfs geschultert werden wollen.

Nun könnte ich es mir ja einfach machen, indem ich einen Gärtner beauftrage, dekadent diese Arbeiten delegiere, um nur hin und wieder mit einem spitzen Zeigefinger auf die Pflanzflecken zu deuten. Aber du weißt, dass mir diese Variante nicht liegt. Vor der optischen Pracht meiner Bemühungen möchte ich meine ursprünglich 206 Knochen spüren.

Und dazu gehört leider nicht das Wälzen ungezählter Gartenkataloge, dafür aber das Stöbern in Gärtnereien, schweißtreibende Grabearbeiten, der Transport des Pflanzgutes sowie auch die Platzierung der vielen großen und höchst schweren und im Land hergestellten Zementtröge, die der Auflockerung der Erdbepflanzung dienen.

Warum es allerdings in Uruguay nur vereinzelt die einfachen roten Tontöpfe gibt, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Nicht nur, dass sie gestapelt und dekorativ platziert, einen netten Anblick bieten. Selbst für Sämlinge bleibt fast ausschließlich die Improvisation mittels durchtrennter und am Boden gelochter Plastikflaschen. Alternativ gibt es gewöhnungsbedürftige Plastiksäckchen in unterschiedlichen Größen, die schwarzfolig den üblichen Blumentopf ersetzen sollen. Das frustriert ungemein. Sie sind weder standfest, noch speichern sie das Wasser. Selbst Zimmerpflanzen fristen ihr Dasein in Plastikbottichen. Jeder halbwegs ökologisch orientierte Förster in Deutschland bekommt zwanghaft Tränensäcke, wenn er sieht, wie hier die Bildung ordentlicher Pfahlwurzeln verhindert wird.

Tiffany F. Roosevelt Heaven – wie gern würde ich wieder einmal vor der üblichen Pflanz- und Anzuchtzeit die gebrauchten und bemooste Tontöpfe mit einer Wurzelbürste im großen Zuber reinigen, um schwarz-grün gesprenkelt das backsteinrote und fast bakterienfreie Reinlichkeitsergebnis bestaunen zu können.

Nun war ich noch nie ein Liebhaber bunten Zierrats im Garten und Rehlein, Zugwägelchen, Gartenzwerge bei der Arbeit oder in stiller Andacht konnten mich weder in Töpferausführung noch als Plastikguss zum Kauf animieren. Möglicherweise liegt es daran, dass ich bisher nie einen großrahmigen und englisch geadelten Kaminsims zur Platzierung dieser Figuren hatte und mir die deutschstämmige und seit 1872 klassische Manufakturvariante als Gesprächspartner nicht zusagt. Auch die Nachbildung der Gräfin Roda möchte ich nicht zwingend täglich grüßen müssen.

Dennoch gibt es in Uruguay das Brauchtum der Gartenzwergkolonien und mitunter benisten diese Bonsai-Völker nicht nur die Gärten, sondern werden auch – frisch oder abgelagert importiert – von spezialisierten Kleinunternehmern zum Kauf feilgeboten.

Erinnerst du dich noch an den liebevoll eleganten Garten von Tante Hilde, in dem dekorativ in den unterteilten Freilufträumen nicht nur das Efeu die wettergegerbten Putten überrankte, sondern auch die zahlreichen Verweilplätze zur Inanspruchnahme aller Sinne anregten? Schon der Nutzgartenbereich war eine Freude für sich. In Reih und Glied, mit einem Geodreieck ausgerichtet, standen Gemüse, Kräuter, Erdbeeren und Nassauerverjagungsblumen in den sauber geharkten Beeten und verströmten ihren sinnlichen, teils schweren Duft.

Aber ich schweife ab, liebe Claudia. Der Traum von eben diesen entdeckungsreichen Gartennischen vergoldet die Erinnerung an Vergangenes…

Frösche habe ich in meiner jetzigen Nichtoase dennoch. Wie sie sich allerdings in der Sanderde am Leben erhalten, ist wunderlich. Schon mehrfach habe ich einen solch staubigen „Erdklumpen“ fälschlicherweise und unsanft in die Schubkarre befördert, statt ihn vorsichtig auf ein Krautbüschel zu setzen. Allerdings ist jedoch die Ein- noch die Ausfuhr eben dieser grünen bis stark warzigen Gesellen nicht statthaft, so dass ich dir weder die Urmutter noch den Urvater künftiger Froschgenerationen schicken darf.

Kommenden Montag oder Dienstag werde ich mich der Schmückung der weihnachtlichen Eisenkonstruktion in Tannenform hingeben. Bis dahin müssen noch zahlreiche Muscheln und sonstiges Strandgut mit einem kleinen Loch und einem Aufhängefädchen versehen werden. Auf die himmlischen Bienenwachskerzen werde ich in diesem Jahr jedoch verzichten und auf profane Teelichter zurückgreifen. Zu traurig war es doch im letzten Jahr, dass die eigenhändig geschlagene Pinie nach zwei Tagen kahl auf der sommerlich heißen Terrasse stand und die Kerzen samt und sonders traurig ihren Kopf im 180º-Winkel nach unten geneigt hatten.

Vor allem: du glaubst gar nicht, wie unangenehm schmerzhaft trockene Piniennadeln in die Fußsohlen stechen können, sobald sie übellaunig sind.


Meine besten Grüße an deinen Schaffenswillen

Vintage

© VINTAGE


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8/18/2009

Mein Garten soll schöner werden! Teil 1

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Mein Garten soll schöner werden!


Teil 1








From: cl.just@xxxxx.de
To: uruguaylife@yahoo.com
Fri, 19 Dec 2008 10:06:32 +0200 (CEST)



Hallo Vintage!

Heute kann ich mich nicht mit Berichten über die Familie aufhalten, denn wenn ich mich nicht beeile, fällt die nächste grün-üppige Jahreszeit aus!

Angebote für den Garten, Nischen und sogar Balkone gefährden den Seelenfrieden und sind die Verführer schlechthin.

Hundsgemein, ja regelrecht hinterhältig sind sie. Diese Garten- und Gartenzubehör-Kataloge. Sobald es draußen ungemütlich wird und der Garten so überhaupt keine Ähnlichkeit mehr mit einem Zimmer im Freien hat, verstopfen die Gartenkataloge jedes Jahr auf ein Neues die Briefkästen. Natürlich auch meinen.

Ich bin immun dagegen. Ich schaue zwar hinein, blättere vor und zurück, stelle mir die eine oder andere Pflanze sogar an dem einen oder anderen Platz in meinem Garten vor, aber gefährdet bin ich nicht. Verspricht der eine Katalog die Riesenerdbeeren, die garantiert bis Weihnachten Früchte tragen, propagiert der andere Katalog die kleinwüchsige Sorte, die hängend an jeder Terrasse Platz findet, frostsicher ist und so wunderbar an Walderdbeeren erinnert.

Genau – Walderdbeeren. Die hatte ich doch im letzten Jahr mühselig im Wald als Ableger zusammen gesammelt, sie vorsichtig wie Glas nach Hause transportiert, um sie sorgfältiger als jede andere Pflanze der Mutter Erde zu übergeben. Winzig und zart waren diese kleinen Ableger und im Winter eigentlich nicht mehr sichtbar. Nur ich wusste noch, wohin ich sie gesetzt hatte. Und scheinbar unser Hund, der diesen zierlichen Ablegerchen innerhalb von Sekunden den Gar ausmachte, weil er genau an der Stelle einen verbuddelten Knochen vermutete.

Nein, Erdbeeren als Sonderzüchtung möchte ich nicht mehr. Da kann das Angebot noch so verlockend oder mit erhobenem Zeigefinger formuliert sein: „Bestellen Sie schnell – Bestellung nur solange der Vorrat reicht!“

Und dann suggeriert mir ein anderer Katalog, dass ich ohne diese 250 Stück umfassende Knollensammlung unterschiedlichster Frühjahrsblumen garantiert nicht auskommen werde und es wird mächtig an meinem Farbsinn und meiner innerlichen Gegenstemmung gezerrt, indem der Text dezent darauf hinweist, wie wenig Platz doch diese 250 Knöllchen benötigen. Schwupps – schon bestellt. Als sie dann geliefert wurden, hatte ich doch arg Mühe, die künftige Farbenpracht, sortiert nach Farbe, Form, Geselligkeit, Höhe und Ausuferung, auf wenigen Quadratzentimetern unterzubringen.

Mit Stauden ist es auch immer dasselbe: zuerst wird der Preis einer Staude angegeben, darunter dann der Preis für drei oder sechs Stauden, die dann ungleich viel günstiger angepriesen werden. Und welcher Hobbygärtner spart nicht gern? Hier von drei, davon sechs, von den anderen auch schnell noch sechs und bei den kleinen Buchsbäumen, die sich so wunderbar als Beeteinfassung nutzen lassen, muss ich mal schnell ausrechnen, wie viel ich für ungefähr zwei mal zehn Meter benötige. Ist ja alles im Angebot und der Garten soll doch in der nächsten Grünsaison prächtiger denn je auf das Auge wirken.

Aber eigentlich bin ich immun gegen Gartenkataloge.

Und dann liegt draußen der erste Schnee und verdeckt - fast schon gnädig - auf wundersame Weise alles, was auch nur nach Staudenhügelchen aussieht. Die Beete sind kahl. Schrecklich kahl und die Phantasie, mit der die Gartenkatalog-Herausbringer so eine innige Freundschaft geschlossen haben, spielt mir wieder einmal übel mit.

Wie wunderbar sähen jetzt dort Gräser aus, die sich leicht und filigran im Wintersturm wiegen? Dort drüben würde sich traumhaft schön ein in Form gebrachter Taxus machen und eine Eiben- oder Blutbuchenhecke gäbe dem Garten doch ganz sicher die gewünschte Eleganz?! Und schon liefert der Postbote das nächste Paket mit Samengut, welches ich vorher natürlich nicht auf Frostkeimung kontrolliere, aber dennoch entschlossen kurz vor Weihnachten, in der Hoffnung, dass alles gut geht, in die Beete kippe.

Aber jetzt ist Schluss. Ich werde künftig nicht mehr auf derartige Angebote herein fallen. Weder ein Minigewächshaus, in dem sich sogar im Winter Paprika und Gurken ziehen lassen, noch eine neue Kompostmiete werden hier Einzug halten. Ich bin geheilt...

...bis dann plötzlich, verspätet, noch ein Katalog eintrifft. Die glutrote Zierjohannesbeere buhlt mit der japanischen Zierquitte um die Wette. Bis mein Blick auf einen gut in Pose gesetzten Frosch fällt, der gerahmt von nachfolgendem Text mir fast auf meinen dicken Winterpullover springt! „Gönnen Sie sich Balsam für die Seele!“ steht da in verlockenden und psychologisch gut verteilten Buchstaben. Und darunter sind bildhaft im schönsten 4-Farb-Hochglanzdruck diverse Möglichkeiten für einen eigenen Teich präsentiert.

„Und wenn ich nur einen ganz kleinen baue? Gerade so ausreichend für eine Seerose und einen Frosch?“ Und schon gehen meine Gedanken wieder spazieren. Ich stelle mir die Umsetzung dieser Lebensqualität vor und stehe im selben Augenblick vor einem Riesenberg Fragen:

‚Wie tief muss so ein Teich sein? Wie tief muss ich buddeln? Wie kommt Sauerstoff hinein? Wie vermeide ich eine Algenbildung? Locke ich damit Frösche an oder muss ich die ersten kaufen? Welche Seerosen sind winterfest und vor allem: Wo finde ich in meinem Garten Platz für diese Seelenberieselung?’

Als erstes werde ich mir jetzt erst einmal einen stabileren Spaten bestellen, damit ich noch schnell die Erde ausheben kann, bevor der Frost endgültig alles zunichte macht. Dann muss auch noch Sand bestellt werden. Das Teichvlies sowie die Folie und Pflanzen müssen erst vermessen und auch noch fix geordert werden.

Der Teich soll doch im Frühsommer so aussehen, als wäre er schon immer dort an der Stelle – ja welche eigentlich? – gewesen, damit der Frosch sich gleich zuhause fühlt und fröhlich ins kühle Nass springen kann.

An dieser Stelle breche ich meine psychologisch manifestierte Gartenkatalog-Betrachtung ab. Ich muss in den Garten. Die Zeit läuft mir sonst davon!


Liebe Grüße

Claudia



© VINTAGE


P.S. Hier lesen Sie meine Antwortmail …


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