8/31/2009

Uruguay - Straßen

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Straßen in Uruguay















Bekanntlich haben Straßen die Aufgabe, den Nutzer an sein Ziel zu bringen. Die meisten erfüllen ihre Bestimmung. Mal sind die Wege kurz und schmal, mal kilometerlang und breit. Auch die Beläge und sogar die Eigner unterscheiden sich. Jede Zufahrt führt irgendwo hin.



Die Straßen Uruguays sind jedoch, bis auf wenige Ausnahmen, eine massive Herausforderung für jeden Nutzer. Lassen die wenigen Asphaltstraßen, die quer durch das Land führen, ein recht gutes Fahren zu, präsentieren sich die meisten Seitenstraßen und fast alle Stadt- und Ortsstraßen selbst geübten und routinierten Autofahrern als Herausforderung.



Ob nun die Avenida Italia, eine der wichtigsten Einfahrtstraßen vom Osten via Zentrum Montevideo, oder die Durchfahrtstraße irgendeines Ortes: der Belag hat oft große und tiefe Löcher. Aber auch der undurchlöcherte Belag ist selten plan und die Stoßdämpfer und Radaufhängungen ächzen und stöhnen per Dauerton.



Die Sandstraßen sind keinesfalls besser. Sie sind nicht nur den Nutzungsbelastungen ausgeliefert, sondern werden zusätzlich durch den Regen ausgewaschen. Vor wenigen Monaten wurden zwar die meisten „Nebenstrecken“ abgezogen und teilweise mit einer frischen Schicht Sand-Kies-Gemisch aufgefüllt, aber da auch bei dieser Tätigkeit mindestens drei Arbeiter für einen Quadratmeter zuständig waren, wurde das abschließende Walzen und Planieren schlicht vergessen. Entsprechend sahen diese Straßen nach wenigen Wochen und ein bis zwei kräftigen Regengüssen schlimmer als vorher aus.


Trotz relativ günstiger Ersatzteilpreise bringt der schnelle Verschleiß so manch einen BMI-starken Uruguayer oder Zugewanderten öfter als gewohnt in kleine finanzielle Engpässe.


Sowohl Autofahrern, als auch Motorradnutzern und Bikestramplern bleibt also nichts anderes übrig, als sich im Slalom zu üben und diese Fertigkeiten vorausschauend zu perfektionieren.


Level 1: vorsichtiges Abfahren einer Straße nach vorheriger Begehung.

Level 2: Sonntagsverkehr.

Level 3: Straßennutzung in der Dunkelheit.

Level 4: üben bei Gegenverkehr.

Level 5: umfahren der Schlaglöcher während des Berufsverkehrs.

Level 6: Adrinalinausstöße während des Berufsverkehrs bei Dunkelheit.



Profi-Level 7 bleibt den Mutigen vorbehalten, die während eines nächtlichen und illegalen Straßenrennens auf öffentlichen Fahrwegen dennoch ihr Transportmittel frei von jeglichen Schäden zum Ziel chauffieren wollen.








Es wird schon einen Grund haben, warum Radrennsportler ihre Fahrkilometer gern auf die Mautstrecke verlegen. Natürlich während des fließenden Verkehrs.




Ganz extreme Straßenschäden werden hin und wieder gesichert. Wenn sich allerdings so eine Belagsmalesche direkt hinter einer Kurve auftut, dann hilft nur noch eine Vollbremsung. Ausweichen funktioniert im fließenden Verkehr selten. Abheben und darüber fliegen à la Karlsson aber auch nicht.




Zum Trost sei gesagt, dass es nicht nur die motorisierten Verkehrsteilnehmer trifft. Auch weibliche Fußgänger haben es schwer. Die meisten Uruguayer tragen zwar Sportschuh, Flip-Flops oder unmoderne, dafür trittfeste Halbschuhe. Wer aber passend zum Chic höhere Absätze tragen möchte, muss sich darauf mindestens so gut halten können wie auf Stelzen.




Die Schlaglöcher und Straßenschäden lassen sich ja noch umgehen, aber großflächig gerissener Asphalt, marodes oder großfugig verlegtes Kopfsteinpflaster sowie loses Sand-Kies-Gemisch fordern Tribute von Schuhwerk und Trägerinnen. Die optische Korrektheit wird schnell zum Spitzenlauf.




Stolperfallen auf öffentlichen Straßen können aber auch menschlicher Natur sein. In und rund um Montevideo gibt es zwar Ampelanlagen, aber sie werden meist nur bei dunkelgelb genutzt. Für Fußgänger, Fahrradfahrer und Kleinkrads existieren sie nur zur Dekoration und auch etliche Autofahrer und Motorradbesitzer fühlen sich hochgradig in ihrer Freiheit beschränkt, wenn sie ihre Fahrt unterbrechen sollen.



Apropos Fußgänger und langsame Verkehrsteilnehmer: diese kreuzen ungehindert ohne Wartemoment, dafür oft im Schneckentempo, die Schnell- und Hauptverkehrsstraßen. Da heißt es dann entweder zackiges Ausweichmanöver oder eine sehr gut funktionierende Bremsanlage mit ausreichender Bremsflüssigkeit ohne sonnenbrüchigen Zuflussschlauch.



Für die Herren der Schöpfung sei noch erwähnt, dass Sie sich schon arg bemühen müssen, eine kurzweilige und vor allem erkennbare Vergnügung am Straßenrand zu sichten. Die vormals bekannten Meilen haben sich aufgrund zahlreicher Proteste verlagert und auch der Soforterkennungsfaktor ist fast normaler Bekleidung gewichen.





© VINTAGE



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8/20/2009

Auch mein Garten soll schöner werden! Teil 2

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Auch mein Garten soll schöner werden!

Teil 2






From: uruguaylife@yahoo.com
To: cl.just@xxxxx.de
Sat, 20 Dec 2008 16:28:15 +0200 (CEST)



Liebe Claudia!

Das Dilemma, in dem du mit der Verschönerung deines Gartens steckst, ist fatal, aber für Gartenfreunde üblich. Es wird dich kaum trösten, wenn ich dir verrate, dass ich in den deutschen Gartenjahren ebenso diesen Verführern selten widerstehen konnte und Sommer- sowie Herbstzeiten erleben musste, in denen nach einigen Jahren in den jeweiligen Freiluftsalons mehrfach Zwangsausdünnung erforderlich wurden. 

Von Bildern kennst du ja das derzeitig baumlose Brachland rund um mein jetziges Wohnhaus, welches sich großspurig als Garten bezeichnet. Du kannst dir sicher vorstellen, wie schmerzlich ich inzwischen die zahlreichen und mit Pflege- und Pflanzhinweisen versehenen Gartenkataloge vermisse.

Natürlich gibt es einschlägige und standortbezogene Periodika, die das Herz eines Gartenliebhabers mit Abbildungen apfelgrüner Rasenflächen, üppig blühenden und grünen Stauden, dichter Hecken und Schatten spendendem Gehölz höher schlagen lassen. Mir bleibt es aber ein Rätsel, wo diese Aufnahmen entstanden sind.

Sand, nichts als Sand präsentiert sich als Untergrund. Darauf liegt eine knochentrockene und maximal 6 cm hohe Schicht Mutterboden. Ja, wie soll denn darauf etwas wachsen und gedeihen? Entsprechend war auch der erste Versuch einer Rasensaat eine strapaziöse Fehlaktion. Das bisschen Mutterboden mit den zarten Rasensamen ist trotz ausreichender Bewässerung durch Wind und Sonne schollenartig auseinander gebrochen und übrig blieben dürftige Krautbüschel und strohig trockene Wildkrautplacken.

Aber ich lasse mich durch derartige Nebensächlichkeiten nicht entmutigen, sondern habe schon einen gut durchdachten Plan, wie ich trotz hyperaktiver Hunde und programmierter Sommerdürre dennoch zu einer immergrünen Ganzjahrespracht gelange.

Dieses setzt natürlich – wie auch bei dir – einen erneuten Kräfte zehrenden körperlichen Einsatz voraus. Musst du dich beeilen, die anstehenden Arbeiten noch vor dem Frost zu erledigen, muss ich mich spurten, die vielen, vielen Quadratmeter vor der heißen Sommerzeit von Hand zu pflügen und zu ebenen.

Die Vollendung wird aber nicht der Moment sein, ab dem ich ein entspanntes Dasein auf der ergonomisch geformten und dick bepolsterten Relaxbestuhlung genießen darf. Selbst auf einem Bolzplatz oder an den Außenrändern der zahlreichen Parkplätze wächst mehr Grün, als auf meinem Grundstück. Mein Auto wird noch das eine oder andere Mal als Lastenkarren für die bisher ungezählten, aber benötigten Ziergewächse herhalten müssen.

Gräser, Bambus und Palmen wachsen auch auf Sandboden gut. Auf Dünengras möchte ich allerdings verzichten. Es sieht doch schäbig aus, wenn ich dauerhaft mit Verbandsmaterial an den Händen umher laufe, nur weil zwischendurch auch Unwichtiges gejätet werden muss, aber dieses Gras sogar jede Tomate sauber und sekundenschnell halbiert, oder?

Und dann erst die vielen Säcke feinster Blumenerde, natürlich angereichert mit biologischem Dung, die entsprechend des Bedarfs geschultert werden wollen.

Nun könnte ich es mir ja einfach machen, indem ich einen Gärtner beauftrage, dekadent diese Arbeiten delegiere, um nur hin und wieder mit einem spitzen Zeigefinger auf die Pflanzflecken zu deuten. Aber du weißt, dass mir diese Variante nicht liegt. Vor der optischen Pracht meiner Bemühungen möchte ich meine ursprünglich 206 Knochen spüren.

Und dazu gehört leider nicht das Wälzen ungezählter Gartenkataloge, dafür aber das Stöbern in Gärtnereien, schweißtreibende Grabearbeiten, der Transport des Pflanzgutes sowie auch die Platzierung der vielen großen und höchst schweren und im Land hergestellten Zementtröge, die der Auflockerung der Erdbepflanzung dienen.

Warum es allerdings in Uruguay nur vereinzelt die einfachen roten Tontöpfe gibt, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Nicht nur, dass sie gestapelt und dekorativ platziert, einen netten Anblick bieten. Selbst für Sämlinge bleibt fast ausschließlich die Improvisation mittels durchtrennter und am Boden gelochter Plastikflaschen. Alternativ gibt es gewöhnungsbedürftige Plastiksäckchen in unterschiedlichen Größen, die schwarzfolig den üblichen Blumentopf ersetzen sollen. Das frustriert ungemein. Sie sind weder standfest, noch speichern sie das Wasser. Selbst Zimmerpflanzen fristen ihr Dasein in Plastikbottichen. Jeder halbwegs ökologisch orientierte Förster in Deutschland bekommt zwanghaft Tränensäcke, wenn er sieht, wie hier die Bildung ordentlicher Pfahlwurzeln verhindert wird.

Tiffany F. Roosevelt Heaven – wie gern würde ich wieder einmal vor der üblichen Pflanz- und Anzuchtzeit die gebrauchten und bemooste Tontöpfe mit einer Wurzelbürste im großen Zuber reinigen, um schwarz-grün gesprenkelt das backsteinrote und fast bakterienfreie Reinlichkeitsergebnis bestaunen zu können.

Nun war ich noch nie ein Liebhaber bunten Zierrats im Garten und Rehlein, Zugwägelchen, Gartenzwerge bei der Arbeit oder in stiller Andacht konnten mich weder in Töpferausführung noch als Plastikguss zum Kauf animieren. Möglicherweise liegt es daran, dass ich bisher nie einen großrahmigen und englisch geadelten Kaminsims zur Platzierung dieser Figuren hatte und mir die deutschstämmige und seit 1872 klassische Manufakturvariante als Gesprächspartner nicht zusagt. Auch die Nachbildung der Gräfin Roda möchte ich nicht zwingend täglich grüßen müssen.

Dennoch gibt es in Uruguay das Brauchtum der Gartenzwergkolonien und mitunter benisten diese Bonsai-Völker nicht nur die Gärten, sondern werden auch – frisch oder abgelagert importiert – von spezialisierten Kleinunternehmern zum Kauf feilgeboten.

Erinnerst du dich noch an den liebevoll eleganten Garten von Tante Hilde, in dem dekorativ in den unterteilten Freilufträumen nicht nur das Efeu die wettergegerbten Putten überrankte, sondern auch die zahlreichen Verweilplätze zur Inanspruchnahme aller Sinne anregten? Schon der Nutzgartenbereich war eine Freude für sich. In Reih und Glied, mit einem Geodreieck ausgerichtet, standen Gemüse, Kräuter, Erdbeeren und Nassauerverjagungsblumen in den sauber geharkten Beeten und verströmten ihren sinnlichen, teils schweren Duft.

Aber ich schweife ab, liebe Claudia. Der Traum von eben diesen entdeckungsreichen Gartennischen vergoldet die Erinnerung an Vergangenes…

Frösche habe ich in meiner jetzigen Nichtoase dennoch. Wie sie sich allerdings in der Sanderde am Leben erhalten, ist wunderlich. Schon mehrfach habe ich einen solch staubigen „Erdklumpen“ fälschlicherweise und unsanft in die Schubkarre befördert, statt ihn vorsichtig auf ein Krautbüschel zu setzen. Allerdings ist jedoch die Ein- noch die Ausfuhr eben dieser grünen bis stark warzigen Gesellen nicht statthaft, so dass ich dir weder die Urmutter noch den Urvater künftiger Froschgenerationen schicken darf.

Kommenden Montag oder Dienstag werde ich mich der Schmückung der weihnachtlichen Eisenkonstruktion in Tannenform hingeben. Bis dahin müssen noch zahlreiche Muscheln und sonstiges Strandgut mit einem kleinen Loch und einem Aufhängefädchen versehen werden. Auf die himmlischen Bienenwachskerzen werde ich in diesem Jahr jedoch verzichten und auf profane Teelichter zurückgreifen. Zu traurig war es doch im letzten Jahr, dass die eigenhändig geschlagene Pinie nach zwei Tagen kahl auf der sommerlich heißen Terrasse stand und die Kerzen samt und sonders traurig ihren Kopf im 180º-Winkel nach unten geneigt hatten.

Vor allem: du glaubst gar nicht, wie unangenehm schmerzhaft trockene Piniennadeln in die Fußsohlen stechen können, sobald sie übellaunig sind.


Meine besten Grüße an deinen Schaffenswillen

Vintage

© VINTAGE


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8/18/2009

Mein Garten soll schöner werden! Teil 1

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Mein Garten soll schöner werden!


Teil 1








From: cl.just@xxxxx.de
To: uruguaylife@yahoo.com
Fri, 19 Dec 2008 10:06:32 +0200 (CEST)



Hallo Vintage!

Heute kann ich mich nicht mit Berichten über die Familie aufhalten, denn wenn ich mich nicht beeile, fällt die nächste grün-üppige Jahreszeit aus!

Angebote für den Garten, Nischen und sogar Balkone gefährden den Seelenfrieden und sind die Verführer schlechthin.

Hundsgemein, ja regelrecht hinterhältig sind sie. Diese Garten- und Gartenzubehör-Kataloge. Sobald es draußen ungemütlich wird und der Garten so überhaupt keine Ähnlichkeit mehr mit einem Zimmer im Freien hat, verstopfen die Gartenkataloge jedes Jahr auf ein Neues die Briefkästen. Natürlich auch meinen.

Ich bin immun dagegen. Ich schaue zwar hinein, blättere vor und zurück, stelle mir die eine oder andere Pflanze sogar an dem einen oder anderen Platz in meinem Garten vor, aber gefährdet bin ich nicht. Verspricht der eine Katalog die Riesenerdbeeren, die garantiert bis Weihnachten Früchte tragen, propagiert der andere Katalog die kleinwüchsige Sorte, die hängend an jeder Terrasse Platz findet, frostsicher ist und so wunderbar an Walderdbeeren erinnert.

Genau – Walderdbeeren. Die hatte ich doch im letzten Jahr mühselig im Wald als Ableger zusammen gesammelt, sie vorsichtig wie Glas nach Hause transportiert, um sie sorgfältiger als jede andere Pflanze der Mutter Erde zu übergeben. Winzig und zart waren diese kleinen Ableger und im Winter eigentlich nicht mehr sichtbar. Nur ich wusste noch, wohin ich sie gesetzt hatte. Und scheinbar unser Hund, der diesen zierlichen Ablegerchen innerhalb von Sekunden den Gar ausmachte, weil er genau an der Stelle einen verbuddelten Knochen vermutete.

Nein, Erdbeeren als Sonderzüchtung möchte ich nicht mehr. Da kann das Angebot noch so verlockend oder mit erhobenem Zeigefinger formuliert sein: „Bestellen Sie schnell – Bestellung nur solange der Vorrat reicht!“

Und dann suggeriert mir ein anderer Katalog, dass ich ohne diese 250 Stück umfassende Knollensammlung unterschiedlichster Frühjahrsblumen garantiert nicht auskommen werde und es wird mächtig an meinem Farbsinn und meiner innerlichen Gegenstemmung gezerrt, indem der Text dezent darauf hinweist, wie wenig Platz doch diese 250 Knöllchen benötigen. Schwupps – schon bestellt. Als sie dann geliefert wurden, hatte ich doch arg Mühe, die künftige Farbenpracht, sortiert nach Farbe, Form, Geselligkeit, Höhe und Ausuferung, auf wenigen Quadratzentimetern unterzubringen.

Mit Stauden ist es auch immer dasselbe: zuerst wird der Preis einer Staude angegeben, darunter dann der Preis für drei oder sechs Stauden, die dann ungleich viel günstiger angepriesen werden. Und welcher Hobbygärtner spart nicht gern? Hier von drei, davon sechs, von den anderen auch schnell noch sechs und bei den kleinen Buchsbäumen, die sich so wunderbar als Beeteinfassung nutzen lassen, muss ich mal schnell ausrechnen, wie viel ich für ungefähr zwei mal zehn Meter benötige. Ist ja alles im Angebot und der Garten soll doch in der nächsten Grünsaison prächtiger denn je auf das Auge wirken.

Aber eigentlich bin ich immun gegen Gartenkataloge.

Und dann liegt draußen der erste Schnee und verdeckt - fast schon gnädig - auf wundersame Weise alles, was auch nur nach Staudenhügelchen aussieht. Die Beete sind kahl. Schrecklich kahl und die Phantasie, mit der die Gartenkatalog-Herausbringer so eine innige Freundschaft geschlossen haben, spielt mir wieder einmal übel mit.

Wie wunderbar sähen jetzt dort Gräser aus, die sich leicht und filigran im Wintersturm wiegen? Dort drüben würde sich traumhaft schön ein in Form gebrachter Taxus machen und eine Eiben- oder Blutbuchenhecke gäbe dem Garten doch ganz sicher die gewünschte Eleganz?! Und schon liefert der Postbote das nächste Paket mit Samengut, welches ich vorher natürlich nicht auf Frostkeimung kontrolliere, aber dennoch entschlossen kurz vor Weihnachten, in der Hoffnung, dass alles gut geht, in die Beete kippe.

Aber jetzt ist Schluss. Ich werde künftig nicht mehr auf derartige Angebote herein fallen. Weder ein Minigewächshaus, in dem sich sogar im Winter Paprika und Gurken ziehen lassen, noch eine neue Kompostmiete werden hier Einzug halten. Ich bin geheilt...

...bis dann plötzlich, verspätet, noch ein Katalog eintrifft. Die glutrote Zierjohannesbeere buhlt mit der japanischen Zierquitte um die Wette. Bis mein Blick auf einen gut in Pose gesetzten Frosch fällt, der gerahmt von nachfolgendem Text mir fast auf meinen dicken Winterpullover springt! „Gönnen Sie sich Balsam für die Seele!“ steht da in verlockenden und psychologisch gut verteilten Buchstaben. Und darunter sind bildhaft im schönsten 4-Farb-Hochglanzdruck diverse Möglichkeiten für einen eigenen Teich präsentiert.

„Und wenn ich nur einen ganz kleinen baue? Gerade so ausreichend für eine Seerose und einen Frosch?“ Und schon gehen meine Gedanken wieder spazieren. Ich stelle mir die Umsetzung dieser Lebensqualität vor und stehe im selben Augenblick vor einem Riesenberg Fragen:

‚Wie tief muss so ein Teich sein? Wie tief muss ich buddeln? Wie kommt Sauerstoff hinein? Wie vermeide ich eine Algenbildung? Locke ich damit Frösche an oder muss ich die ersten kaufen? Welche Seerosen sind winterfest und vor allem: Wo finde ich in meinem Garten Platz für diese Seelenberieselung?’

Als erstes werde ich mir jetzt erst einmal einen stabileren Spaten bestellen, damit ich noch schnell die Erde ausheben kann, bevor der Frost endgültig alles zunichte macht. Dann muss auch noch Sand bestellt werden. Das Teichvlies sowie die Folie und Pflanzen müssen erst vermessen und auch noch fix geordert werden.

Der Teich soll doch im Frühsommer so aussehen, als wäre er schon immer dort an der Stelle – ja welche eigentlich? – gewesen, damit der Frosch sich gleich zuhause fühlt und fröhlich ins kühle Nass springen kann.

An dieser Stelle breche ich meine psychologisch manifestierte Gartenkatalog-Betrachtung ab. Ich muss in den Garten. Die Zeit läuft mir sonst davon!


Liebe Grüße

Claudia



© VINTAGE


P.S. Hier lesen Sie meine Antwortmail …


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8/11/2009

Auswandern Uruguay

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Was fange ich mit der vielen Zeit in Uruguay an?
















Diese Frage wurde mir mehrfach gestellt und jedes Mal war ich höchst verwundert. Seit ich in Uruguay lebe, vergeht der Tag noch schneller als in Europa und ich kann gar nicht alles in den generell viel zu kurzen 24 Stunden täglich erledigen.




Kaum angekommen sind die Stunden fortan und nur bedingt beeinflussbar verplant.



Meist beginnt das Leben in Südamerika damit, dass die Suche nach einer Wohnung oder einem Haus auf dem Tagesplan steht. Zeitgleich nehmen die Termine rund um die Migration Zeit in Anspruch. Auch gibt es viel zu entdecken.



Nicht nur Kultur und Architektur wollen bestaunt werden, auch das tägliche Leben fordert Geduld und Forschergeist. Allein der Kauf von drei Kreuzschlitzschrauben nimmt mehr als einen kurzen Moment in Anspruch. Ferretería suchen, Nummer ziehen, warten, Wunsch radebrechen, wieder warten, erklären, dass silberne und keine goldenen Schrauben benötigt werden (was heißt doch gleich „silber“?), erneut warten, Schrauben begutachten, noch einmal warten, bis drei Schrauben abgezählt wurden und ein passendes Tütchen gefunden wird, zur Kasse gehen und bezahlen.




Ohne, dass Sie es bemerkt haben, sind dabei gut 20 Minuten vergangen und auf Ihrem Erledigungszettel stehen noch andere Punkte „Schmerztabletten, Flauta, Kaffeepulver, Universalöl, Flohhalsband….“. Anfänglich multipliziert sich fast jeder Punkt mit mindestens 20 Minuten.




Der Strand will aber auch genutzt werden, wenn man im Küstenbereich lebt. Fast jeder bringt mindestens einen Hund mit oder wünscht sich kurzfristig einen zweiten als weiteres Familienmitglied. Die Vierbeiner möchten ihre Tage nicht ausschließlich zuhause verbringen, sondern – hoffentlich gut erzogen und sozialisiert – bewegt werden.



Ach, Kinder und Ihre Eltern haben Sie auch noch mitgebracht? Für diese müssen nun nicht nur eine passende Schule und ein Senioren gerechter Sprachkurs gesucht werden – nein, für die quengelnde Verwandtschaft muss eine auslastende Freizeitbespaßung gefunden werden. Den Chauffeurdienst übernehmen Sie selbstredend freiwillig und mehrfach täglich.



Apropos Fahrdienst: ein passendes Auto müssen Sie auch noch finden und bis Sie die vier Reifen und ein wenig Blech uneingeschränkt Tag für Tag nutzen dürfen, absolvieren Sie etliche Sichtungs- und Notartermine.




Dabei hatten Sie es sich so schön vorgestellt: endlich Zeit für das schmerzlich vermisste oder ein neues Hobby. Relaxen, die Seele baumeln lassen.




Davon werden Sie leider nur nicht satt. Wenn Sie nicht täglich Fastfood oder Restaurantessen zu sich nehmen möchten, dann müssen Sie wohl oder übel die Kochtöpfe bemühen. Und schon sind Sie wieder gefordert. Frischzubereitung, Planung und Improvisationstalent sind die Zauberworte.




Sie benötigen für eine delikate Bratensoße Schmand? Kein Problem. Gibt es zwar nicht zu kaufen, aber lässt sich selbst herstellen. Sie müssen nur heute schon erahnen, dass Sie überübermorgen eben diesen Kochkunstverfeinerer verbrauchen.



Ein oder zwei echte Hobbys zu finden oder dem vorhandenen nachzugehen, ist ganz einfach. Sicher möchten Sie Ihre Kondition verbessern, Ihrer Familie eigenhändig erlegte Meeresfrüchte kredenzen oder sich endlich in der Kunst des perfektionierten Makramee üben? Fitnessstudios, Angelruten mit und ohne Zubehör und leistungsstarken Hanffaden gibt es mehr als genug.



Für diejenigen, die in Uruguay kein passendes Beschäftigungsprogramm finden, gibt es die Alternative schlechthin:



Mieten Sie in Montevideo gegenüber der Rambla ein kleines Appartement, übernehmen Sie Bett, Tisch, Stuhl und Wandgestaltung vom Vormieter, schaffen Sie sich kein Haustier an und übertragen Sie die Bewachung Ihrer Wohnung dem Komplexwachdienst. Gehen Sie regelmäßig in die Eckkneipe zum Essen und warten Sie in trauter Gesellschaft diverser Literflaschen Pilsen oder Gallonen Tannat auf dem Strandmäuerchen, bis es wieder Abend wird.



Wenn Sie über ein Handy und Barmittel verfügen, liefern Ihnen die Supermärkte den gewünschten Nachschub auch dort hin. Bei schlechtem Wetter bleiben Sie einfach hinter der Panoramascheibe und zählen Autos. Der Lieferservice funktioniert auch bei Regen und im Winter.





@ VINTAGE



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